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"Im Zelt der Geschichtenerzählerin"

Oskars Frage

Buchillustration 🔍

Der kleine Oskar stand am Fenster. Er beobachtete, wie der Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen abriss. Auf die Erde lag schon ein bunter Blätterteppich.

Oskar dachte an den Winter und die vielen Schneeflocken. Sie fielen vom Himmel hinunter, und eine weiße flauschige Decke bedeckte die Erde.

Später fiel dem Jungen der Frühling ein. „Im Frühling fallen viele Regentropfen vom Himmel! Damit die Bäume und die Blumen im Garten gut wachsen können. Aber was fällt im Sommer hinunter? Was?“, fragte sich Oskar.

Der Junge fand keine Antwort.

Zu ihm auf die Fensterbank kletterte seine Katze. „Minka! Weißt du vielleicht, was im Sommer vom Himmel hinunterfällt?“, fragte sie Oskar.

Minka gähnte, machte dann einen Buckel. Gelangweilt miaute sie: „Miau, au!“ Es klang wie: „Keine Ahnung.“

Oskar zog seine Jacke und die Gummistiefel an. Eilig ging er auf den Hof.

Dort lief sein Hund im Kreis.

„Otto! Weißt du, was im Sommer vom Himmel hinunterfällt?“

Der Hund bellte barsch: „Waw! Waw! Waw! Uuh!“ Das klang wie: „Lass mich mit der Fragerei doch in Ruh!“

In diesem Augenblick brach ein Küken aus dem Hühnerstall aus. Es wollte allein auf dem Hof spazieren gehen.

„Küken! Weißt du, was im Sommer vom Himmel auf die Erde hinunterfällt?“

Die Frage erschreckte das Küken, so dass es flink zurück zu seiner Mama lief. Die Mama schlug ihre beiden Flügel über dessen Kopf, als wollte sie ihr ausgerissenes Küken in Schutz nehmen.

Auch der Mama des Kükens stellte Oskar seine Frage. Ihr lautes: „Ko, ko, ko, nat, iii!“, klang wie: „Komm nicht damit zu mir!“



Auf den Hof fuhr ein Auto. Das waren die Eltern des Jungen, die vom Einkaufen zurückkehrten. Auch ihnen stellte Oskar seine Frage.

Darauf bemerkte der Vater: „Junge, du stellst uns eine schwierige Frage“.

Die Mutter schaute ihren Sohn selbst fragend an. Wortlos trugen die beiden ihre schweren Einkaufstüten ins Haus.



Es verging etwas Zeit. Nach dem Herbst war der weiße Winter eingebrochen.

In der Weihnachtszeit besuchte Oskars Großmutter die Familie.

Der Junge setzte sich zu ihr auf das Sofa. „Omi! Im Herbst fallen bunte Blätter auf die Erde. Im Winter fallen viele Schneeflocken, im Frühling fallen Regentropfen.

Aber was fällt im Sommer vom Himmel hinunter?“, stellte er seine Frage, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

Die Großmutter überlegte kurz. Sie gab dem Enkel ihre Antwort: „Lieber Oskar, das sind doch die Sternschnuppen!“

Erstaunt fragte Oskar nach: „Die Sternschnuppen? Wirklich?“

Die Großmutter nickte. „Ja! In manchen Sommernächten, wenn der Himmel voll von funkelnden Sternen ist, fallen einige von ihnen hinunter. Sie fallen rasend schnell. Und wenn du es schaffst…“

„Was dann?“, fiel Oskar der Großmutter ist Wort.

„Schaffst du es dir etwas dabei zu wünschen, so wird dein Wunsch in Erfüllung gehen.“

Oskar umarmte seine Großmutter fest. Er war froh, endlich eine Antwort auf seine Frage bekommen zu haben.

Dann lief er auf den Hof zu seinem Hund. Danach schaute er in den Hühnerstall.

Und überall rief er: „Das sind Sternschnuppen! Sternschnuppen! Sternschnuppen!“



Vor dem Einschlafen schaute Oskar noch einmal aus dem Fenster. Er lächelte dem Himmel zu. Denn der Junge hatte viele Wünsche. Nun wusste er, dass sie in Erfüllung gehen werden.

Als die Katze zu ihm auf das Fensterbrett sprang, sagte er: „Minka! Ich werde im Sommer gut auf den Himmel aufpassen, um keine fallende Sternschnuppe zu verpassen! Ich möchte so gern, dass alle meine Wünsche - alle, alle - in Erfüllung gehen!“

Die Katze klopfte mit ihrem langen Schwanz dem Jungen auf den Arm. Aufgeregt miaute sie: „Mia! Mia! Au!“

Es klang wie: „Meine ja auch!“