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"Potz Schwertfisch und 1000 Aale Oder: Eine unglaubliche Reise um die Welt"

Kapitel 1. Die Nachricht aus Afrika

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Im Norden Europas, wo das Meer gegen weiße Felsen brandet, und der Wald wie eine grüne Fellmütze diese Felsen bedeckt, lebten zwei Raben. Der etwas ältere, Robin Rabs, hatte vor kurzem an einer altehrwürdigen Schule seinen Abschluss gemacht. Für seinen Lerneifer erhielt er ein blaues Gelehrtenband, das er stets um seinen Hals mit Stolz trug. Als gelehrter Rabe verbrachte Robin viel Zeit mit Büchern. Sein Nachbar, Kai Kreks, las dagegen ungern. „Das Leben ist auch ohne Bücher reich an spannenden Neuigkeiten und abenteuerlichen Geschichten! Kaum verlasse ich mein Nest, schon bin ich mittendrin. Und Lesen - Zeile für Zeile, Wort für Wort - ist mühsam. Ich verderbe mir die Augen und die Frisur auf dem Kopf gleich mit. Und das passt einem so hübschen Raben, wie ich es bin, gar nicht!“, behauptete Kai, der einen halben Tag lang an seinen Frisuren tüftelte. Die Kunstwerke auf seinem Kopf trugen klangvolle Namen, wie „Aus dem Nest gefallen“, „Viel Pony, wenig Rabe“, „Die ganze Nacht gekrächzt“.

Die beiden Raben waren Nachbarn, sie bewohnten den obersten Zweig des höchsten Baumes im Wald. Von dort aus hatten sie freie Sicht auf die Stadt, die sich vor ihnen erstreckte; auf den Zoo, wo ihre tierischen Freunde lebten; auf die Schule, wo Mädchen und Jungen manchmal fleißig, manchmal weniger fleißig lernten. Alles hatten die Raben hier von Herzen gern, daher wollten sie niemals fort. Nie wäre ihnen eine Reise in den Sinn gekommen, geschweige denn eine Weltreise. Kai befürchtete: „Wer weiß, wer mir in der Ferne so alles über den Weg läuft? Ein Vogelfresser, ein

Kükenquäler oder ein Baumtöter von der schlimmen Sorte?“ Robin zitierte dazu seinen Professor für alte Weisheiten. „Raben haben ein festes Nest. Aus diesem Grund sind sie keine Zugvögel. “Aber an einem trüben Herbsttag geschah ein Ereignis, das ihr Leben auf den Kopf stellte. Es zwang Robin und Kai ihr Zuhause für lange Zeit zu verlassen und sich in der Ferne zu begeben. Was war geschehen?

Im Sturzflug kam Möwe Marika mit einer Eilnachricht angeflogen. „Jungs! Es ist etwas Schlimmes in Port Westafrika passiert! Meine Bekannten haben mir soeben darüber berichtet.“ Marika holte tief Luft, um fortsetzen zu können: „Seit Tagen sitzen dort Kinder - viele Kinder - traurig im Sand. Weit und breit sind keine Mamas und Papas zu sehen. Robin, Kai! Ihr müsst den Kindern helfen. Das schafft nur ihr, denn ihr seid hilfsbereit und einfallsreich.“

Marikas Lob beflügelte Kai, er schwang seine Flügel auf, um sogleich loszufliegen. Doch einen Augenblick später überlegte es sich der Rabe anders: „Bin ich wirklich hilfsbereit? Verwechselst du mich vielleicht mit jemand anderem?“ Marika musste ihm den Fall mit dem Jungen ins Gedächtnis rufen, dem seine Taschenlampe abhanden gekommen war. Ohne Lampe konnte dieser Junge abends seine Straße nicht finden und kam deshalb zu spät nach Hause. „Kai! Robin! Ihr habt damals herausgefunden, dass die Elster, Frau von Stibitz, die Lampe gestohlen hat. Ihr habt ihr tüchtig den Kopf gewaschen. Deshalb brachte sie das gute Stück dem Jungen zurück.“ Kai entgegnete Marika: „Damals ging es nur um einen Jungen! Jetzt sind es aber viele Kinder.“

Marika war hartnäckig wie ein Eisbrecher beim Eisdurchbrechen. Ihr kam der Fall mit einem Krähenschwarm in den Sinn, der sich wie eine Horde

Räuber aufgeführt hatte. „Robin, Kai! Wisst ihr noch, wie diese wilden Krähen über den Zoo flogen, um die dortigen Tiere garstig nachzumachen: Gack-Back, Quak-Quark, Grunz-Gans. Und wenn ein Schiff mit Weizen im Hafen beladen wurde, schlugen sie sich dort ihre Bäuche voll.

Durch die Korndiebe hatte der Hafen große Verluste. Auch die Schulkinder litten unter dem lautschnabeligen Schwarm.

Die Drittklässler bekamen wegen des Lärms ihre Hausaufgaben nicht mit, also machten sie auch keine. Die Zweitklässler überhörten die Schulglocke, also spielten sie weiter auf dem Schulhof und gingen nicht zurück in die Klasse.“ Robin fügte bejahend hinzu: „Die Schulkinder waren natürlich alles andere als faul - na ja, höchstens ein ganz bisschen. Sie hatten sich diese Geschichten nicht einfach ausgedacht, um keine Hausaufgaben zu machen, oder die Schule zu schwänzen. Sie hatten es tatsächlich nicht leicht.“ Marika spreizte ihren Schnabel zu einem breiten Lächeln, um es Robin zu schenken. Sogleich schlussfolgerte sie: „Damals habt ihr so lange den Krähen den Kopf gewaschen, bis sie die Benimmregeln für Vögel auswendig

gelernt hatten. Also, Robin und Kai! Ihr seid die Richtigen für Afrika.“ Kai sagte entsetzt: „Wem soll ich denn in Afrika ‚den Kopf waschen?“ Marika antwortete ihm prompt: „Das wirst du noch herausfinden.“ Robin zupfte unruhig an seinem Gelehrtenband, denn auch er hatte Einwände: „Wie sollen wir überhaupt nach Afrika kommen? Zum Fliegen ist der Weg viel zu weit.“ Marika hatte schon eine fertige Antwort: „Morgen fährt der

alte Kapitän Ankerson mit seinem Schiff nach Afrika. Ich spreche mit ihm, und er nimmt euch mit.“ Marika kehrte zum Hafen zurück, wo sie auf einem Pfahl mitten im Wasser hockte. Denn die Möwe hatte sich zur Aufgabe gemacht, alle vorbeiziehenden Schiffe mit ihrem Schrei zu begrüßen. Aus diesem Grund kannte sie viele Kapitäne und jede Menge Schiffe. Deshalb war sie fast immer die Erste, die frische Nachrichten bekam.

Nach Marikas Abflug redeten die Raben nur noch über die Nachricht aus Afrika und die afrikanischen Kinder. Waren die Kinder schwerkrank? Und wo waren ihre Eltern? Diese Fragen wühlten Robin und Kai so auf, dass sie nachts merkwürdige Träume hatten: Robin wartete am Ufer bei dichtem Nebel auf ein Schiff, doch anstelle des Schiffes tauchte ein Riesenkrokodil auf. Kais Albtraum war noch schrecklicher: Er sah sich unter vielen Rucksäcken liegen, ohne sich rühren zu können.